Mittwoch, 14. Dezember 2016

Das Feature - Mehr als nur eine Reportage?

Der ausgezehrte Student sitzt mit zerzausten Haaren vor dem Bildschirm. Er ist mit den Nerven am Ende, weil er mal wieder nicht weiß, wie er ein äußerst kompliziertes Thema über "Das Feature" gut zu Blatt bringen soll. „Warum zur Hölle hab ich damit auch nur so spät angefangen?“ schimpft er über sich selber. Schluchzend hämmert er weiter in den Tasten. So wie ihm, geht es auch hunderttausenden von anderen Studenten. Ist Prokrastination eine Volkskrankheit?

So oder so ähnlich könnte ein Beispiel aussehen, um ein Feature einzuleiten, denn solch ein Türöffner wird meistens dafür verwendet. Auch wird die Richtung eines Feature-Themas wird bereits am Titel ersichtlich. Dieser wiederum provoziert gerne, um das Interesse der Leute zu wecken oder um die Art und Weise der Auseinandersetzung mit Thema klar zu machen, zum Beispiel wie bei "Trottel der Nation", einem Film-Feature der Süddeutschen über die deutsche arbeitende Mittelklasse. 

Formal ist das Feature nicht streng gebunden und die verfügbaren Stilmittel sind nahezu uneingeschränkt, vom Interview bis hin zur Statistik, mit viel O-Ton und Musikeinlagen, mit Beiträgen von Experten und normalen Leuten, die auch widersprüchlich sein können. Wichtig ist das Zusammenspiel zwischen szenischen und berichtenden Elementen, „der ständige Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion, zwischen Schilderung und Schlussfolgerung“ (La Roche) [1].

Dadurch erzeugt das Feature eine sehr dichte und spannungsgeladene Atmosphäre für den Zuschauer oder Zuhörer. Und durch die vielen Möglichkeiten und Freiheiten ist das Feature, das seinen Ursprung in den 30ern im englischen Hörfunk hat, auch eine beliebte Darstellungsform bei Journalisten. Ein Vorteil ist auch, dass man es aus vielen Einzelteilen zusammensetzen kann[2].

In der Regel wird ein Thema sachlich behandelt, kann aber je nach Autor auch zugespitzt und polemisch behandelt werden, was das Feature auch von einer Dokumentation abhebt, welche sich zur Objektivität verpflichtet. 
Zwar fällt es manchem Journalisten schwer, ein Feature von einer Reportage zu unterscheiden, eine Reportage jedoch, kann beispielsweise nicht auf die große künstlerische Freiheit zurückgreifen oder sich weiter von einem Thema distanzieren und verallgemeinern. Zudem muss ein aktuelles Thema herangezogen werden, was beim Feature nicht der Fall ist.
Jedoch sind all diese Sachen kein definiertes muss beim Feature, sondern ein kann, weswegen es häufig als Dokumentation oder Reportage oder einer Mischung aus beidem bezeichnet wird.

Zu finden ist das Feature in allen Medien, auch wenn am häufigsten im Hörfunk verwendet wird und nicht selten bis zu zwei Stunden dauert. Im TV ist es in der Regel einen 30 oder 45 minutiger Film. In den Tageszeitungen besonders die Seite 1 bei Wochenendbeilagen der überregionalen Zeitung.

Um das anhand einiger Beispiele zu verdeutlichen:


Nachdem der letzte Absatz erledigt ist, freut sich der sichtlich erleichterte Student, in letzter Minute doch noch etwas zustande gebracht zu haben und wie es für ein Feature üblich ist, auf die Eingangsszene noch einmal zurückzugreifen. So viel Glück wie er, hat nicht jeder Student. Mit dem guten Vorsatz, das nächste Mal eher mit der Pflicht zu beginnen, schaltet er ab und genießt die freien Tage.

---- QUELLEN ----
[1] Axel Buchholz / Gerhald Schult (Hg.) Fernseh-Journalismus
[2] http://www.fachjournalist.de/das-feature/

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