Montag, 5. Dezember 2016

Der Bericht im Fernsehen

Im Gegensatz zur Kurznachricht (Vgl. Tagesschau in 100 Sekunden) ist der Bericht im Fernsehen ausführlicher, im Vergleich zur Reportage (hier v.a. Live-Reportage) knapper und distanzierter.
Der Mittelweg, wenn man so will.

Anhand der Tagesschau soll nun nachgezeichnet werden, wie der Fernsehbericht (im Folgenden: Bericht) Informationen gezielt, ausführlich und prägnant vermitteln kann, obwohl er in vielen Fällen die Eine-Minute-Grenze nicht einmal tangiert.

Die Tagesschau vom 04.12.2016: >>Bericht zur Präsidentenwahl in Österreich<<
Das Medium Fernsehen ermöglicht die Verschmelzung verschiedener Sinneseindrücke zu einem Gesamtbild, das sich vor allem durch die Kombination von Ton und Bewegtbild ergibt. Aufgrund der unterschiedlichen Erzähl- und Darstellungstechniken ergeben sich in der Tagesschau die Kategorien:
 - Nachricht
 - Bericht
 - Interview
 - Reportage
 - Kommentar

Hierbei liegt die Besonderheit in der Kombination. So lassen sich zu einem bestimmten Thema Nachricht, Bericht, Interview und Kommentar beliebig verbinden, um eine besonders vielschichtige und ausgewogene Informationsdarbietung zu gewährleisten.

Im Beispiel von gestern Abend liegt eine Kombination von Meldung, Bericht und Kommentar vor.
In typischer Tagesschau-Manier begrüßt die Moderatorin die Zuschauer und leitet mit ein paar kurzen Sätzen in das Thema ein. Im Hintergrund erscheint bereits vorher ein Bild von Alexander van der Bellen, dem Gewinner der gestrigen Präsidentenwahl in Österreich.
Dies ist ein großer Vorteil des Mediums Fernsehen, man weiß praktisch schon bevor die Moderatorin überhaupt ein Wort verloren hat, worum es gehen wird.
Auch im Folgenden erschließt sich der Sinn einer solchen Form: Während vom Sprecher im Off der Ausgang der Wahl analysiert wird, werden verschiedenste Bilder gezeigt, die den gesprochenen Text unterstützen. Gleich zum Anfang wird eine Wahlsendung des ORF eingeblendet; die Statistiken zum Ausgang der Wahl sind zu sehen und werden vom Sprecher vorgetragen. Wenn dann am Abend die Kandidaten vor der Presse aufeinandertreffen, wird in die direkte Rede überführt, man lässt den zukünftigen österreichischen Bundespräsidenten die Ausführungen des Sprechers zu Ende bringen. Ein Mittel, das auch im Pressebericht anzutreffen ist.
Weiterhin charakteristisch ist die Beleuchtung des Hintergrundes. Schon zum Anfang heißt es: "Van der Bellen, der als unabhängiger Kandidat angetreten war, konnte damit seine Stimmzahl aus der ersten Runde noch ausbauen [...]". Untermalt wird in solchen inhaltlich nicht direkt zu illustrierenden Fällen mit thematisch passenden Stimmungsbildern, hier in Form der Jubelnden Anhänger des Gewinners. Auch sonst wird in bei längeren Ausführungen gerne mit beiläufigem Material überbrückt, zum Beispiel der Versammlung der Pressevertreter, die sich um die beiden Kandidaten scharen.
Da ein Bericht auch im Fernsehen eine Form darstellt, die bei aller Kürze Vielseitigkeit anstrebt, wird im Anschluss auch der Verlierer der Wahl interviewt.
Den Schluss bildet eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang, es wird noch einmal resümiert, historisch eingeordnet und auf Schwierigkeiten besonders Bezug genommen, wenn es heißt:
"Nie zuvor gab es eine Bundespräsidentenwahl, die so lange dauerte, mit Stichwahl, Wahlanfechtung, Annullierung und Verschiebung." Dies wird untermalt durch einen Interviewbeitrag mit dem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, kurz und knapp: Morderator: "Anfechtung ist keine Thema?" - Strache: "Kein Thema."
Die Wirkung über die Grenzen Österreichs hinaus, sei schlussendlich "ein politischer Richtungsentscheid" führt der Sprecher aus, der Bericht endet, es folgt ein Kommentar eines Korrespondenten.

Im folgenden wird der Bericht vorgespielt:

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