Donnerstag, 15. Dezember 2016

[Einzelbeleg] How to Doku & Feature

Ein Leitfaden zum erstellen einer/s Dokumentation/Features


Dein innigster Wunsch, seit du denken kannst, ist eine Dokumentation zu drehen? Features sind dein lieblings Filmgenre? Du führst gerne Interviews, reist gerne viel und hast kein Problem damit tonnenweise (digitales) Material auseinander zu nehmen, zu sortieren, schneiden, mit Ton zu unterlegen und zum Schluss wieder zusammenzusetzen? Dann kann dein Traum jetzt wahr werden!

Nachdem die geschätzten Kollegen Metzler, de Roos und Gille bereits ausführlich berichteten was man unter einer Dokumentation oder einem Feature versteht, soll nun aufgezeigt werden wie man sich an ein solches Projekt heranwagen sollte.

Recherche und Themenfindung: [1]

Selbstredend ist dieser Schritt am wichtigsten. Ohne Thema keine Doku, ohne vernünftige Recherche um Material anzusammeln kann kein Feature enstehen. Dabei gilt: zu viel Recherche gibt es nicht! Keine Angst vor zu viel Material auch wenn es einen erstmal erschlagen mag. Wichtig ist, um den Überblick zu behalten, eine gewisse Distanz zum Material zu wahren um die einzelnen Daten in einen höheren Zusammenhang ordnen zu können.

Drehortbesichtigung und Motivsuche: [1][2]


Du möchtest eine Dokumentation über das Verhalten rechtsdrehender Joghurtkulturen in Australien drehen? Dann solltest du auch einkalkulieren eine längere Zeit auf dem Kontinent zu verbringen. Allenvoran gilt es Orte an denen möglicherweise gefilmt werden soll auch einmal im Zuge der Recherche zu besuchen. Nicht nur damit man weiß wie es dort aussieht, sondern auch um Anregungen zu finden sowie Witterungsverhältnisse, Umgebung und Störfaktoren einschätzen zu können. Praktisch ist es zudem sich Hilfe in Form von Joghurtexperten zu suchen, denn nichts verleiht einem Thema mehr Validität als eine Person, welche dieses Thema zu seinem Beruf gemacht hat.

Treatment:


Halt! Bevor du dir jetzt ein Ticket nach Australien buchst, mach dir vorher klar wie du deine These, Dramaturgie und Recherche so umsetzen kannst, dass du dir und vorallem Anderen, einen klaren Eindruck vermitteln kannst wie deine Doku aufgebaut und wie sie aussehen soll. Dies liefert dir eine gute Arbeitsgrundlage für die Produktionsplanung, Dreharbeiten sowie Schnitt und überdessen hinaus ist es hilfreich für deine Kamera- und Tonmitarbeiter.

Präzise formulierte Aussagewünsche:

Sei dir im klaren, wie deine Kapitel und Bildsequenzen aussehen sollen! Was willst du wie gestalten? Gibt es genügend Platz für Improvisation falls doch mal was schief geht? Achte darauf in wie weit das Geschehen vorhersehbar ist oder ob es häufiger zu unerwarteten Ereignissen kommen kann. Bewährte Methode ist Anfangs- und Endbilder eine Szene auszuarbeiten. So hat man zwei solide Grundpfeiler auf denen man auch einen improvisierten Bogen schlagen kann.

Zeitplanung:

Zeit ist Geld, sagt man so schön. Jedoch hängt die zu investierende Zeit, wie so vieles, vom Thema und Drehort ab. Muss man oft Reisen, wie sind die Wetterumstände, die Umgebung (Recherche sei dank!), gibt es etwaige technische Ausfälle? Diese Fragen muss man sich zwingend stellen wenn man sich in der Zeitplanung nicht komplett verkalkulieren will. Zeitreserven sind Gold wert, lieber mehr als zu wenig.

Aufnahmeteam:

Du hast jetzt also einen Plan, du weißt wo es hingeht und Zeit genug. Fantastisch! Jetzt brauchst du nur noch ein Team, dass dir den Rest der Arbeit abnimmt. Wenn du glück hast. Wie stark dein Aufnahmeteam sein soll und welche Ausrüstung gebraucht wird, hängt mal wieder vom Thema und der geplanten Umsetzung ab. Ihr wollt auf Wolpertingerjagd im Bayrischen-Wald gehen? Dann sollte dir klar sein dort nicht mit einem fünfzig Mann Team aufzutauchen samt Cutter, Make-Up Artist, Hausband und Feldhaubitze. Kleinere Teams sind dafür wohl geeigneter, da einerseits flexibler und anderseits nicht so auffällig, man will die Wolpertinger ja nicht verschrecken. Aufwendige Projekte erfordern folglich auch ein größeres Team. Du kannst nicht gleichzeitig filmen, sprechen, cutten, nachbearbeiten und die Musik einspielen, dein Projekt soll ja in diesem Jahrhundert, bestenfalls, fertig werden.

Schnitt, Musik, Sprecher

Der Traum ist bald wahr, nur noch wenige Schritte und die Welt wird mit deinem Werk zum beben gebracht! Du hast sämtliches Material im Kasten, jeder Winkel des Bayrischen Waldes ist gefilmt. Jetzt gilt es das aufgenommene in die nötigen Blöcke und Szenen zu verarbeiten und in Sequenzen zu teilen. Natürlich willst du Musik, welche die Szenen atmosphärisch untermalen und jemanden, der das Geschehen kommentiert. Auch hier ist entscheidend welches Thema dein Projekt hat. Eine Dokumentation über die Beschaffenheit von Bambus bei Temperaturen unter 15°C mit Black Metal zu unterlegen könnte, wenngleich einzelne womöglich ihre Freude daran hätten, beim Großteil des geneigten Publikums für Unverständnis sorgen. Ein Fußballkommentator könnte sich eventuell für dein Feature über "Christoph Daum - Schnee im Sommer, vom Trainer zum Naseweiß" eignen. Männliche oder weibliche Stimme oder Klangfarbe, es sollte thematisch vertretbar sein.



Natürlich kann und soll in diesem Leitfaden nicht alles abgedeckt werden, es gibt genügend Eventualitäten welche noch dazwischen kommen können. Vorallem benötigt man eins: Erfahrung.

Abschließend noch ein paar Beispiele wie eine Dokumentation oder ein Feature aussehen kann (selbsverständlich nur zur Ideenfindung):

 Dokumentation: 
Animal Fight Club: Gefährliche Begegnungen

 

Radio Feature:





Quellen:

[1] Axel Buchholz / Gerhald Schult (Hg.) Fernseh-Journalismus S. 228 ff.
[2] Stand 15.12.2016 http://www.fachjournalist.de/das-feature/
 








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen