Sonntag, 15. Januar 2017

Instagram

Instagram
These: Werden Social-Media-Kanäle bald Nachrichtendienste übernehmen?                                 -Anhand von Instagram
Instagram ist eine Smartphone-App und ein damit verbundenes Soziales Netzwerk, das sich dafür eignet, Handyfotos und kurze Videos (bis zu 60 s) zu publizieren. Täglich werden von 300 Mio. Menschen rund 70 Mio. Fotos und Videos auf dieser Plattform veröffentlicht, wie Instagram in einer Pressemitteilung Ende Dezember 2014 bekannt gab. Aktuell kann man von 500 Millionen aktiven Nutzern pro Monat ausgehen, die Zahl der täglich erscheinenden Einträge ist auf 80 Millionen gestiegen. Laut Schätzungen gab es 2014 nur 4-5 Millionen deutsche Nutzer, Ende 2016 waren es schon über 9 Millionen. Wegen seiner verhältnismäßig weiten Verbreitung und Beliebtheit auch unter Jugendlichen ist Instagram sowohl zur Bildrecherche als auch für Nutzeraktionen/Fotoaktionen eine interessante Wahl. Videos mit einem attraktiven, teilweise verblüffenden Zeitraffereffekt bietet die Video-Funktion Hyperlapse in Instagram. Der Grad und die Art der Verfremdung wählt der Instagramer, indem er einen entsprechenden Filter in der App anwendet. Das Format ist wie beim Polaroid quadratisch, man kann neuerdings aber auch Einträge im Format 2:3 oder 3:2 teilen. Eine weitere Funktion sind die Insta-stories, welche an Snapchat angelehnt sind. Themenspezifische Bildübersichten jenseits der eigenen Freundes- und Abonenntenkreises lassen sich auf Instagram über Hashtags herstellen. Diese durch Hashtags wie bei Twitter strukturierten Themen können auch zu Bilderübersichten zusammengestellt werden; insofern ist Instagram eine sehr gute Möglichkeit, Fotoübersichten zu einem Ereignis – etwa einem Festival oder für News-Zwecke zu Themen, Naturkatastrophen etc. – zu bekommen.
Für die Übernahme der Nachrichtenfunktion durch Social-Media-Kanälen spricht in jedem Fall, die relativ weite Verbreitung. Instagram erreicht auf einem ganz anderen Weg die breite Bevölkerung, als die sonst üblichen Nachrichtendienste. Der Fernsehkonsum der Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht immer mehr zurück, da Video-on-Demand Portale wie Netflix auch immer mehr an Popularität gewinnen. Der Internetkonsum nimmt allerdings immer mehr zu, Instagram wird zum Muss und die Anzahl der Follower zum Aushängeschild. Deswegen nutzen auch immer mehr Fotoreporter diese Plattform. Dabei hat die farbliche Stimmigkeit des Feeds, also der Beiträge meistens einen nicht zu vernachlässigen Stellenwert. Auch für Politiker, Sportler und Prominente wird Social Media eine immer wichtigere Quelle der Selbstdarstellung. Auch Nachrichtendienst sind auf die zunehmende Nutzung der Video-Option aufmerksam geworden, eine Art der Anlehnung an die Video-Übertragung im Fernsehen. Auch positiv sind die Interaktionen, die über Instagram möglich ist. Follower können ihre Meinung teilen und eventuell aufkommende Fragen können in den Kommentaren diskutiert werden, anders als im Fernsehen, wo man selbst für Antworten recherchieren muss. Außerdem ist auf solchen Plattformen meist eine Vorschau gegeben, der Konsument kann sich also interessenbezogen informieren und muss nicht zwangsläufig eine ganze Sendung ansehen. Es scheint also sehr attraktiv zu sein, weil es in vielen Hinsichten bequemer ist. Dt. Nachrichtendienste sind beispielsweise: @szmagazin, @zdfheute, @wdr_3sechzich & sie haben bis nahezu 100k Follower. Internationale Nachrichtendienste sind unter anderem @CCN @bbcnews , welche haben über 3 Millionen Follower.
Dagegen spricht allerdings, dass nur ein Teil der Bevölkerung solche Plattformen besitzt, ein noch kleinerer Anteil aktiv und primär nicht zwecks der Beziehung von Informationen. Bei einer Einwohnerzahl Deutschlands von ungefähr 82 Millionen Menschen liegt der Anteil der registrierten Nutzer bei gerade Mal knapp über 10%, wobei dieser Prozentsatz nicht zwingend täglich, bzw. wöchentlich aktiv ist. Der restliche Teil der Deutschen nutzt, sofern vorhanden, das Radio oder Fernsehen, sowie die Zeitung. Dazu kommt, dass die deutschen Nachrichtendienste -jedenfalls auf Instagram- nicht über 100000 Follower kommen. Dabei ist der Content bei weitem nicht so ausführlich bzw. regelmäßig und gebündelt, wie im Fernsehen oder Radio. Die Video-Option ist zwar optimal kurze Thesen zu übermitteln, aber nicht um detailliertes Wissen zu vermitteln. Der Inhalt muss reduziert sein und so entsteht nicht selten eine Mischung aus dem Video plus einem Kommentar der eventuell extra Informationen bereitstellt, welches den Nutzer zu einem Mischkonsum führt. Hinzu kommt, die Politikverdrossenheit der Jugend und das allgemein vorherrschende Desinteresse. Die Masse an jungen Leuten ist zwar da, ihnen schwebt aber mehr das Teilen persönlicher Inhalte und das Verfolgen ihrer Idole vor, als das bloße Folgen von Nachrichtendienste. DENN, dass ist nicht der Zweck von Instagram. Diese Plattform dient zu Selbstdarstellung und die Ästhetik steht im Vordergrund. Weiterhin muss man anfügen, dass es gerade im Internet keine Prüfung der Inhalte gibt und Seiten, sofern sie nicht verifiziert sind, auch gefälscht sein können. Sich Personen also für die Seite ausgeben und womöglich falsche Inhalte vermitteln und damit die Glaubwürdigkeit des Nachrichtendienstes allgemein in Frage stellen. Dazu kommt, dass die Inhalte, die freie Journalisten oder Blogger teilen möglicherweise von subjektiven Einflüssen behaftet sind.
Aufgrund der vorangegangenen Argumentation, kann man sagen, dass es im Fall von Instagram nicht zu einer Ablösung von Nachrichtendiensten durch Social-Media-Kanäle kommt. Es gibt entschieden zu wenige Nutzer im Vergleich zu den Radio-/Fernsehkonsumenten, sowie den Zeitungslesern. Außerdem hat Instagram wie bereits erwähnt nicht die Absicht Nachrichtendienst abzulösen. Die Ästhetik steht im Vordergrund und man kann vorrausschauend sagen, dass ein Wandel in dieser Hinsicht nicht absehbar ist.

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