Sonntag, 1. Januar 2017

Kurzkritik „Der Schwarm“


„Yrr? Bitte was? Kann man das essen?“ - Diese Fragen haben sich die Wissenschaftler in Frank Schätzings Wissenschaftsroman und Thriller „Der Schwarm“ sicher nicht mehr gestellt. Viel zu viele neue, unbekannte und unbegreifliche Dinge hatten sie in der vergangenen Zeit schon erlebt als Protagonist Sigur Johanson - seines Zeichens norwegischer Biologe und Schöngeist - den Namen für die Gegner aus dem Weltmeer einführt. Hochgiftige Quallen und Haiattacken machen die Küsten unsicher, Wale verschwinden und tauchen später als aggressive, Schiffe versenkende Monster wieder auf, eine neue Wurmart bringt den norwegischen Kontinentalhang zum Absturz und erzeugt damit eine Riesenwelle, die Europa überflutet, sowie Hummer und Krabben, die Seuchen auslösen…
Als sich die Ereignisse mehren und immer bedrohlicher werden, bildet sich ein Krisenstab unter Leitung der USA, dem neben Johanson auch Walforscher Leon Anawak aus Kanada und viele weitere Wissenschaftler aus aller Welt sowie amerikanische Militärs angehören. Aus diesen unterschiedlichen Hintergründen ergeben sich auch verschiedene Ansichten während der Suche nach dem Schuldigen und Möglichkeiten der Ausschaltung des „Feindes“. So wird die Schuld einer terroristischen Gruppe, Aliens oder dem Menschen selber in die Schuhe geschoben.
Mit dem Roman lenkt Frank Schätzing die Aufmerksamkeit auf Themen wie Umwelt- und Meeresverschmutzung und lässt sich den Leser fragen, ob solche Katastrophen Realität werden könnten - ja, ob dies überhaupt noch verhindert oder eingedämmt werden kann. Durch eine sehr umfassende Recherchearbeit, mit der die Handlung mit vielen Fakten und teilweise auch Personen aus der politischen Realität untermauert wird, schafft es der Autor, dass sich das Buch streckenweise eher wie ein wissenschaftliches Sachbuch liest.
Mich hat das Buch sehr gefesselt. Vor allem durch den spannenden Erzählstil lässt es sich auch über die vereinzelten Durststrecken in der Handlung (die bei einem 1000-Seiten-Buch gar nicht zu vermeiden sind) gut lesen. Anders als bei vielen anderen Kathastrophen-Thrillern zielt dieses Buch nicht darauf ab, alles mit Gewalt platt zu machen. Sehr schön herausgearbeitet wurden auch die Hauptcharaktere, denen sich der Leser dadurch sehr verbunden fühlt. Dafür hätte ich mir bei einigen Nebencharakteren, wie dem Vulkanologen Stanley Frost, etwas mehr Schärfe gewünscht. Dennoch bin ich der Meinung, dass Schätzing mit „Der Schwarm“ einen großartigen und extrem spannenden Roman geschrieben hat, der neben der Kritik am ökologischen Verhalten des Menschen auch sehr gut unterhält.

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