Sonntag, 1. Januar 2017

Mafia 3 (2016) - Kritik

Protagonist Lincoln Clay auf dem Cover des Spiels




Mafia 3 ist ein Actionspiel des Entwicklers Hangar 13 aus dem Jahr 2016. Es wurde im Oktober von 2K Games herausgegeben. Der Spieler steuert den Protagonisten Lincoln Clay in 3rd-Person-Perspektive durch die offene Welt von New Bordeaux, einer fiktiven Adaption der Stadt New Orleans Ende der 1960er Jahre. Wie auch in den Vorgängern Mafia und Mafia 2 stößt der Protagonist eher zufällig in ein Netzwerk des organisierten Verbrechens und macht es sich dieses Mal zur Aufgabe, dessen Kopf zu töten und seinen Platz als unangefochtener Don von New Bordeaux einzunehmen. Dabei spielen sowohl klassische Mafia-Motive wie Rache, Omertà, verschiedene Formen organisierter Kriminalität (Glücksspiel, Schmuggel, Prostitution, etc.) und Gewalt, als auch die politischen Geschehnisse in den USA Ende der 60er Jahre wie der Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung eine große Rolle. Als schwarzer Vietnam-Veteran aus dem ärmeren Teil New Bordeaux‘ wird Lincoln zum perfekten Schaubild für die Gesellschaft dieser Zeit.

Die Story ist dabei, wie auch in den Vorgängern des Spiels, der Hauptgrund, es zu spielen. Sämtliche relevanten Charaktere sind glaubhaft in die Story eingebunden und mit umfangreichen Hintergrundgeschichten ausgestattet. Der Plot sowie viele der Nebenaufgaben werden durch eindrucksvolle Cutscenes dargestellt, die qualitativ an Filmszenen von Coppola oder Scorsese heranreichen. Zudem trägt die tadellose Soundkulisse zur Immersion ins Spiel bei. Voice-overs, Hintergrundgeräusche, atmosphärische Soundeffekte und der Soundtrack mit Original-Songs von Künstlern dieser Zeit gehören wohl zu den Besten der Veröffentlichungen des Jahres.

Etwas schade ist es dabei, dass der grafische Aspekt zu wünschen übriglässt. Am PC merkt man, dass das Spiel für die etwas geringere Grafikleistung von Konsolen entwickelt wurde. So entstehen selbst bei den höchsten Qualitätseinstellungen oft für Konsolenports typische FPS-Einbrüche, unsaubere und flimmernde Texturen und unschöne Bugs. Zudem ist die Skybox beinahe lächerlich schlecht und könnte dem 2002 erschienenen ersten Teil der Serie entstammen. Allerdings brilliert das Spiel durch seine Charakteranimation und vielen verschiedenen Innenräumen, was man sonst von Spielen dieses Genres nicht gewohnt ist. Zudem kündigte Hangar 13 bereits kurz nach Erscheinen umfangreiche Grafik- und Gameplayupdates an.

Das Gameplay ist im Vergleich zu anderen Titeln aus früheren Jahren (GTA 5, Mafia 2) eher schwach und wirkt schnell repetitiv. Viele Aspekte aus dem Vorgänger, wie das Anpassen des Charakters und Fahrzeugtuning werden erst durch spätere Updates hinzukommen. Die KI ist selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nur mäßig begabt und im Kampfsystem zeigt sich Stealth mal wieder als übermächtige, aber langweiligste Methode. Die zahlreichen Schießereien sehen zwar durch die Kampfanimationen sehr gut aus, die unterschiedlichen Waffen fühlen sich jedoch (innerhalb ihrer Klassen) alle sehr ähnlich an. Das Fahrverhalten der Fahrzeuge wird erst durch den Extra-Menüpunkt „Simulation“ realistisch, ist dann allerdings eine unterhaltsame Herausforderung. Schade ist jedoch, dass viele Elemente aus den Vorgängern wie z.B. ungescriptete Raubüberfälle und die unterschiedlichen Formen der Strafverfolgung fehlen, was das Spiel schnell oberflächlich erscheinen lässt.

Alles in allem wird Mafia 3 seinen Vorgängern storytechnisch mehr als gerecht. Das Spiel ist in Teilen auch ein klassischer Mafioso-Film, sodass man angehalten ist, sich durch das nicht sehr zeitgemäße Gameplay hindurchzubeißen, um das Ende der Geschichte zu erfahren. Hangar 13 zeigt damit, dass sie ein würdiger Nachfolger in der Entwicklung der Mafia-Serie sind, als Entwickler selbst allerdings noch nicht in den oberen Ligen mitspielen können. Wer die Vorgänger kennt und liebt, dem ist Mafia 3 zu empfehlen, alle anderen sollten jedoch vielleicht lieber auf einen Steam-Sale warten, statt den vollen AAA-Preis zu bezahlen.

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