Montag, 16. Januar 2017

Pressearbeit (Media Relations) (Teil 2 - Pressekonferenz, Footage-Material)



Pressekonferenz:
Als Beispiel für eine Pressekonferenz nutzen wir das Thema „Anschlag in Berlin“  vom 19.12.2016, welches in einer Pressekonferenz im Berliner Rathaus am 20.12.2016 aufgearbeitet wurde: https://youtu.be/-qjVaeoakh0 (Stand: 13.01.2017).

Die Konferenz beginnt mit der Begrüßung vom Sprecher, der sogleich das Thema der Pressekonferenz mitteilt und die einzelnen Teilsprecher mit Namen und Amt bzw. Fachrichtung vorstellt. Danach übergibt er an den ersten Fachsprecher.

Der aktuell regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller eröffnet sogleich seine tiefe Erschütterung und Trauer über das Ereignis. Er erwähnt die Opfer und Verletzten und gibt an, sich vor Ort ein Bild gemacht zu haben. Er erklärt das Szenario und die Geschehnisse. Zudem gibt er an, dass auch von außen Beteiligung gezeigt wurde. Ein Dank sendet er an alle Helfer vor Ort und lobt die Kräfte sowie das schnelle Reaktionsvermögen. Ebenso bedankt er sich bei den Medien, die seriös mit dem Thema umgegangen sind. Er lobt die Kommunikation der Polizei und er gibt weitere Informationen für abendliche Trauerzusammenkünften. Abschließend appelliert er an die Friedliche Koexistenz der Menschen.

Als zweites folgt der Innensenator Berlins, Andreas Geisel mit genaueren Zeitangaben des Anschlags und bedankt sich ebenfalls bei allen Menschen, die Hilfe und Sicherheit gegeben haben. Er erwähnt die Hochstufung der Sicherheitsmaßnahmen und berichtet vom Ausfall der Weihnachtsmärkte für die Tage nach dem Anschlag aus Pietätsgründen. Er erwähnt den Bundesinnenminister und dessen polizeiliches Unterstützungsersuch, welches gern angenommen wurde. Weiterhin erläutert er die Auswirkungen auf zukünftige Veranstaltungen wie die Silvesterfeier. Zum Schluss geht er allgemein auf das Thema Terrorismus ein und bittet um geeigneten Umgang damit um sich nicht von solchen Aktivitäten abschrecken zu lassen, sondern die Lebensweise beizubehalten. Außerdem verweist er noch auf die Pressekonferenz vom General-Bundesanwalt. Ebenso bittet er die Bürger weiter Bilder oder Videos der Berliner Polizei zur Verfügung zu stellen. Eine Trauerbeflankung der Berliner Behörden, welche er angeordnet hat, erwähnt er zu guter Letzt.

Der Sprecher meldet sich wieder um sich bei den beiden Vorrednern zu bedanken und leitet die Ansprache des Polizeipräsidenten Berlins, Klaus Kandt, ein.

Dieser eröffnet ebenfalls mit einem Dankeschön und gibt weitere zeitliche Details an, sowie seine Sicht auf den Ablauf des Anschlags. Auch er lobt die Pressearbeit, vor allem die soziale Medien. Er weist auf eine Wertung des Bundeskriminalamtes über Sicherheitsmaßnahmen und das auch die Weihnachtsmärkte als potenzielle Ziele genannt wurden. Diese Schätzung sei nun eingetreten und Klaus Kandt erläutert weitere Vorgehensmaßnahmen, vor allem mit dem flüchtigen Täter und die Aufwertung der Sicherheitsmaßnahmen. Er nutzt Fachausdrücke und erläutert diese der Öffentlichkeit. Weiterhin vergleicht er die hochstufungen der Sicherheitsmaßnahmen mit denen, welche nach den Anschlägen in Paris unternommen wurden. Zum Schluss erwähnt er seine besetzte Befehlsstelle, welches Kraft und Tatendrang signalisiert.

Ralf Rothe, der General-Staatsanwalt folgt daraufhin. Auch er bringt seine Trauer zum Ausdruck. Er erwähnt den Kontakt zwischen der Berliner Staatsanwaltschaft und dem General-Bundesanwalt, sowie die ergriffenen Maßnahmen der Staatsanwälte. Nochmals wird die nachfolgende Pressekonferenz erwähnt. Darauf ist das Statement zu Ende.

Landesbranddirektor Wilfried Gräfling möchte als nächstes über den Ablauf aus Sicht der Feuerwehr berichten. Sofort gibt er Zeitangaben und wie die Berliner Feuerwehr davon erfahren hat und worauf sie sich eingestellt hatten. Er erzählt die Anzahl der Einsatzkräfte und berichtet weiter vom Standartkonzept der Feuerwehren und dessen Anpassungen. Nochmals gibt er Daten und Zahlen über die Opfer und gibt Hinweise auf Berlins Krankenhausdichte. Zum Schluss lobt er das System und bedankt sich nochmals bei allen.

Darauf ertönt die Stimme des Sprechers und bedankt sich wie zuvor bei den Vorrednern. Nun leitet dieser die Diskussionsrunde ein, mit der Bitte, dass der Fragende sich meldet und nach Aufruf sich mit Namen, Medium und an wen sich die Frage richtete, vorstellt. Der Sprecher ruft den ersten Fragenden auf und damit beginnt die Fragenrunde.

Die Fragen werden so gut und kompetent wie möglich beantwortet.

Zum Schluss bedankt sich der Sprecher bei den Anwesenden Personen und wünscht noch einen angenehmen Nachmittag. Damit ist die Pressekonferenz beendet.

Was dabei leider nicht zu sehen war, sind die ganzen Abläufe, welche im Hintergrund von Statten gehen. Somit möchte ich hier einen kurzen Einblick darüber geben.
Als erstes sei gesagt, dass Pressekonferenzen eher für größere Firmen, Organisationen und Behörden geeignet sind, da der Aufwand für berichtenswerte Informationen gerechtfertigt sein sollte. Bei kleineren Firmen, welche vielleicht nur reine Geschäftszahlen zu präsentieren haben, lohnt sich dieser Aufwand nicht. Anlässe können hierbei politischer Natur, Vorstellung neuer Fertigungstechnologien oder medienrelevante Neuigkeiten sein.
Hat man einen passenden Grund gefunden sollte man u.a. Journalisten einladen, Räumlichkeiten organisieren, Pressemappen zusammenstellen und den Ablauf planen. Hilfreich ist dabei sich immer die 4 W-Fragen einer Pressekonferenz vor Augen zu halten: Weshalb wollen Sie eine Pressekonferenz veranstalten? Wann soll die Konferenz stattfinden? Wo wird sie stattfinden? Wie soll sie Ablaufen?
Ist dies vorbereitet tut man gut daran eine Presseinformation zu erstellen. Eine kurze Information mit Ansprechpartnern sollte immer vorhanden sein.
Ein Must-Have ist die Pressemappe. Diese sollte jedem Teilnehmer der Pressekonferenz zur Verfügung gestellt werden. Beinhalten sollte die Pressemappe auf jeden Fall: Das Programm der Pressekonferenz, Die Pressemitteilung, Die Referate der Veranstaltung in Kurzform, Zusätzliche Informationen, Zahlenmaterial, Fotos / graphische Darstellungen sowie den Backgrounder.
Der Backgrounder gibt dabei kurz aber informativ alle wichtigen Details der jeweiligen Firma/Verein/Organisation wieder.
Hat man all dies beachtet, kann die Pressekonferenz stattfinden. Als erstes treffen die Gäste ein, darauf folgt die Konferenz und zum Ende sollte es Raum für Fragen geben. Eine der Tageszeit angemessene Bewirtung und Pressegeschenke sind dabei eine nette Zugabe.
Zur Nachbereitung kann man noch Belegexemplare den jeweiligen Medien zukommen lassen und Kontakt mit den teilnehmenden Journalisten pflegen.
Man weiß nie, wann man sie das nächste Mal braucht.

Footage-Material:
Dieser Begriff klingt erst einmal neu und doch vertraut. Wenn man das Wort Footage hört, denkt man zuerst an Found-Footage-Filme á la Blair Witch Project oder Paranormal Activity.

Aber was ist denn nun dieses Footage-Material?

Hier eine kurze, selbsterstelle Definition:
„Footage Material sind original Videoaufnahmen, welche von Firmen, Unternehmen oder sonstigen öffentlichkeitsrelevanten Organisationen einer dienenden Personengruppe zur Verfügung gestellt werden, um als Hilfsmittel für die Öffentlichkeitsarbeit zu fungieren. Dabei wird das bereitgestellte Videomaterial, welches bereits aus mehreren Einzelclips bestehen kann, nur mit unbearbeitetem Originalton (d.h. keine musikalische Untermalung oder menschliche Sprache) zur Verfügung gestellt.“

Als Beispiel wollen wir hier auf die Internetseite des britischen Erdölunternehmens BP p.l.c. (British Petroleum public limited company) eingehen: http://www.bp-footage.de/ (Stand 14.01.2017)

Auf den ersten Blick wird sofort klar, dass es sich um bereitgestelltes Videomaterial handelt. Scrollt man durch die Seite sieht man auch, dass die Videos aus den verschiedenen Bereichen des Unternehmens stammen. Sieht man sich nun einen dieser Clips an, erkennt man das dort originale Videoaufnahmen bereitgestellt wurden. Das heisst sie sind originalvertont und kein Sprecher oder ähnliches kommentiert etwas. Außerdem sind keine Videoeffekte, Filter oder sonstige Bearbeitungsmaßnahmen enthalten. Allein ein Zusammenschnitt ist erkennbar, ansonsten sind es Rohdaten.
Diese Filmbausteine können für die Berichterstattung oder als Ergänzung zu selbst gedrehtem Material genutzt werden. Wenn somit zum Beispiel ein TV-Beitrag erfolgen soll, können sich die Redakteure und Macher des Beitrags viel Zeit, Kosten und Mühen sparen, wenn sie das bereitgestellte Material verwenden.
Doch auch hier ist die Nutzung an einige Bedingungen geknüpft:

  • Die Rechte an allen Aufnahmen liegen bei der jeweiligen Quelle. Dieses Filmmaterial ist international urheberrechtlich geschützt
  • Das Footage-Material darf nur für journalistische Zwecke eingesetzt werden. Ein Verkauf und die Weitergabe der Sequenzen an Dritte ist nicht erlaubt
  • Eine kommerzielle Nutzung bedarf der Genehmigung durch das Presse- und Informationsamt der jeweiligen Quelle
  • Bei Bereitstellung von Footage-Materials sollte gebeten werden, im Abspann die Quelle zu nennen
Außerdem kann man als Medientechniker immer in die Situation kommen, selbst einmal Footage-Material für eine Firma erstellen zu müssen.
Doch wenn man immer daran denkt, dass dieses Material unbearbeitet ist, oder sich bei der Verwendung an die 4 Nutzungsbedingungen hält, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Doch wenn man sich nicht sicher ist, ist es keine Schande die Rechtsabteilung oder Öffentlichkeitsarbeiter um Rat zu fragen. Denn auch Medientechniker sind nur Menschen. 

(von Robert Wolfsteller)